Aus zwei Wohnungen eine machen — das klingt nach einem großen Umbau. In Wirklichkeit beginnt alles mit einem einzigen Loch in der Decke. Genau das war der Auftrag: Ein Eigentümer in der Augsburger Innenstadt wollte seine übereinanderliegenden Wohnungen zu einer großzügigen Maisonette verbinden. Dafür brauchte er einen Deckendurchbruch. Und dafür brauchte er uns.
Aufgabenstellung
Die Ausgangslage war typisch für Augsburger Innenstadtlagen: Ein Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren, solide gebaut, mit Stahlbetondecken. Der Eigentümer hatte die Wohnung im dritten und vierten Obergeschoss erworben und plante eine offene Maisonette-Wohnung mit einer internen Treppe zwischen den Geschossen.
Dafür musste eine rechteckige Öffnung von 2,5 × 1,2 Metern in die bestehende Stahlbetondecke geschnitten werden — sauber, präzise und ohne die Statik des Gebäudes zu gefährden. Die Decke war 25 Zentimeter stark und mit einer dichten Bewehrung aus Baustahl durchzogen.
Bevor wir auch nur eine Maschine aufstellten, lag das Gutachten des Statikers vor. Er definierte die exakte Position der Öffnung, die notwendige Abfangkonstruktion mit Stahlträgern und die Reihenfolge der Arbeiten. Ohne dieses Gutachten geht bei einem Deckendurchbruch gar nichts.

Wandsäge im Einsatz: Der Schnitt durch die 25 cm starke Stahlbetondecke läuft wassergeführt und erschütterungsfrei
Herausforderung
Ein Deckendurchbruch in einem bewohnten Mehrfamilienhaus ist kein Abriss auf der grünen Wiese. Es gelten andere Regeln.
- Tragende Decke: Die Decke ist ein statisch relevantes Bauteil. Jeder Schnitt muss exakt sitzen, sonst stimmt die Lastverteilung nicht mehr. Die Abfangkonstruktion aus Stahlträgern musste vor dem finalen Heraustrennen des Deckenelements montiert werden.
- Bewohntes Gebäude: Im selben Haus lebten weitere Mietparteien. Erschütterungen durch Abbruchhammer? Ausgeschlossen. Staubwolken im Treppenhaus? Nicht akzeptabel. Wir mussten leise, sauber und rücksichtsvoll arbeiten.
- Enger Zeitplan: Der Bauherr hatte die Treppe bereits bestellt. Wir hatten ein Fenster von drei Tagen, in denen der Durchbruch fertig sein musste. Am Ende haben wir zwei Arbeitstage gebraucht.
- Zugang nur über das Treppenhaus: Kein Kran, kein Außenaufzug. Sämtliches Material und Equipment musste über das bestehende Treppenhaus in den dritten Stock transportiert werden — einschließlich der Wandsäge und des herausgesägten Betonelements.
Projekt auf einen Blick
Ort: Augsburg Innenstadt | Leistung: Deckendurchbruch 2,5 × 1,2 m | Deckenstärke: 25 cm Stahlbeton | Dauer: 2 Arbeitstage | Verfahren: Wandsäge + Kernbohrung
Unsere Lösung
Wir haben den Deckendurchbruch in vier klar definierten Schritten umgesetzt — jeder einzelne darauf ausgelegt, Erschütterungen zu vermeiden und die umliegende Bausubstanz zu schonen.
Schritt 1: Kernbohrungen an allen vier Ecken
An jeder Ecke der geplanten Öffnung setzten wir eine Kernbohrung. Diese Bohrungen haben zwei Funktionen: Sie dienen als Einfädelpunkte für das Wandsägeblatt und als Spannungsentlastung. Ohne diese Eckbohrungen besteht das Risiko, dass der Beton beim Sägen unkontrolliert reißt.
Schritt 2: Wandsägeschnitte entlang der Markierung
Die Wandsäge wurde direkt auf der Deckenoberfläche montiert. Schnitt für Schnitt arbeitete sich die diamantbesetzte Klinge entlang der angezeichneten Linien durch den Stahlbeton. Der Schnitt lief wassergeführt, was den Staub bindet und die Klinge kühlt. Das Abwasser wurde vollständig aufgefangen.


Links: Die Wandsäge arbeitet sich durch 25 cm Stahlbeton. Rechts: Das Deckensegment wird kontrolliert nach unten abgesenkt.
Schritt 3: Kontrolliertes Absenken des Betonelements
Das ausgesägte Deckensegment wog rund 1,8 Tonnen. Es wurde mit Gewindestangen und einer Abstützkonstruktion gesichert, bevor der letzte Schnitt gesetzt wurde. Anschließend wurde das Element kontrolliert auf die darunter liegende Ebene abgesenkt, dort in transportable Stücke zersägt und über das Treppenhaus abtransportiert.
Schritt 4: Einbau der Stahlträger
Direkt nach dem Heraustrennen des Deckenelements montierte das Bauunternehmen die vom Statiker vorgegebenen Stahlträger als Abfangkonstruktion. Damit war die Öffnung statisch gesichert und bereit für den Treppeneinbau.
Sämtliche Arbeiten liefen erschütterungsfrei. Kein Presslufthammer, kein Abbruchmeißel. Nur Diamantklingen und Wasser.
Ergebnis
Nach zwei Arbeitstagen war die Öffnung fertig: Ein sauberer, rechtwinkliger Durchbruch mit millimetergenauer Kante. Keine Risse, keine Beschädigungen an der umliegenden Deckenstruktur, keine Spuren im Treppenhaus.
In der Woche darauf wurde die Treppe montiert. Heute hat der Bauherr eine helle, offene Maisonette-Wohnung mit einem nahtlosen Übergang zwischen den Geschossen. Die Nachbarn haben von dem gesamten Eingriff kaum etwas mitbekommen.
Zwei Stockwerke, eine Wohnung — und kein Nachbar hat etwas gemerkt.
Deckendurchbruch geplant?
Wenn Sie eine ähnliche Wohnraumerweiterung planen, finden Sie auf unserer Wissensseite zu Deckendurchbrüchen eine ausführliche Übersicht über Ablauf, Statik und Kosten. Unsere Leistungsseite Betonsägen zeigt, welche Verfahren wir einsetzen und was damit möglich ist.