Kernbohren (auch Diamantbohren) ist das Verfahren zur Herstellung kreisrunder Öffnungen in Beton, Stahlbeton, Mauerwerk und Naturstein. Eine Hohlbohrkrone mit diamantbesetzten Segmenten dreht sich durch das Material und trennt einen zylindrischen Kern heraus. Das Ergebnis ist eine saubere, rissfreie Öffnung ohne Erschütterung der umgebenden Bausubstanz. Kernbohrungen werden in Durchmessern von 10 mm bis 1.500 mm ausgeführt – für Kabeldurchführungen ebenso wie für Schachtöffnungen.
Durchmesser & typische Anwendungen
| Kriterium | Anwendung | Gerät |
|---|---|---|
| Ø 10–30 mm | Dübellöcher, Ankerbohrungen | Handbohrmaschine |
| Ø 30–80 mm | Elektroleitungen, Kabelkanäle | Kernbohrgerät, Stativ |
| Ø 80–150 mm | Wasser-/Abwasserleitungen, Heizung | Kernbohrgerät, Stativ |
| Ø 150–300 mm | Lüftungskanäle, Kamine, Abluft | Schweres Kernbohrgerät |
| Ø 300–600 mm | Rohrdurchführungen, Schächte | Großbohrgerät |
| Ø 600–1.500 mm | Mannlöcher, Revisionsöffnungen | Spezial-Großbohrgerät |
Nassbohrung vs. Trockenbohrung
Kernbohrungen werden überwiegend als Nassbohrung ausgeführt. Wasser kühlt die Bohrkrone, bindet Staub und verlängert die Standzeit der Diamantsegmente erheblich. Trockenbohrungen sind in bestimmten Situationen notwendig – etwa bei fehlender Wasserversorgung oder in Bereichen, in denen kein Wasser auftreten darf.
- Nassbohrung: Standard für Stahlbeton und große Durchmesser. Kühlung durch kontinuierliche Wasserzufuhr. Staubfrei, geringerer Kronenverschleiß
- Trockenbohrung: Für Mauerwerk, dünne Wände und Bereiche ohne Wasseranschluss. Staubabsaugung erforderlich. Höherer Kronenverschleiß, kleinere Durchmesser
- Entscheidungskriterium: Nassbohrung ist immer die erste Wahl. Trockenbohrung nur bei zwingenden Gründen gegen Wassereinsatz
Geeignete Materialien
Kernbohren funktioniert in nahezu jedem mineralischen Baustoff. Die Diamantsegmente der Bohrkrone werden auf das jeweilige Material abgestimmt.
- Stahlbeton (auch mit dichter Bewehrung)
- Unbewehrter Beton und Sichtbeton
- Kalksandstein, Ziegel und Klinker
- Naturstein (Granit, Marmor, Sandstein)
- Porenbeton und Leichtbeton
- Estrich und Terrazzo
Ablauf einer Kernbohrung
Eine professionelle Kernbohrung folgt einem standardisierten Ablauf, der saubere Ergebnisse und den Schutz der umgebenden Bausubstanz gewährleistet.
- Leitungsortung: Vor jeder Bohrung wird die Bohrposition auf verdeckte Leitungen und Bewehrung geprüft
- Stativ-Montage: Das Kernbohrgerät wird per Vakuum oder Dübel an Wand oder Decke befestigt
- Bohrkrone wählen: Durchmesser und Segmenttyp passend zu Material und Anwendung
- Bohren: Kontrolliertes Vortreiben der Bohrkrone mit gleichmäßigem Vorschub und Kühlung
- Kernbergung: Der zylindrische Bohrkern wird nach dem Bohren entfernt und entsorgt
- Nacharbeit: Falls gewünscht, werden die Bohrlochkanten gefast oder geglättet
Vorteile gegenüber Stemmen und Meißeln
Kernbohren hat sich als Standardverfahren durchgesetzt, weil es gegenüber dem Stemmen entscheidende Vorteile bietet.
- Erschütterungsfrei: Keine Mikrorisse in der umgebenden Bausubstanz
- Präzise: Exakter Durchmesser, saubere Kanten, keine Ausbrüche
- Leiser: Deutlich geringerer Lärmpegel als Presslufthammer oder Abbruchhammer
- Schneller: Eine Kernbohrung Ø 150 mm durch 25 cm Stahlbeton dauert ca. 5–10 Minuten
- Flexibel: Bohrungen in Wänden, Decken und Böden, auch unter Wasser oder über Kopf
FAQ
Beim normalen Bohren (Schlagbohren, Hammerbohren) wird das Material zerstört und als Staub abgeführt. Beim Kernbohren trennt eine Hohlbohrkrone einen sauberen Zylinder heraus – ohne Erschütterung, ohne Risse und mit exaktem Durchmesser.
Standard-Kernbohrungen reichen bis 600 mm Durchmesser. Mit Spezialgeräten sind Bohrungen bis 1.500 mm möglich. Für noch größere Öffnungen wird üblicherweise auf Wandsägen oder Seilsägen umgestellt.
Ja. Diamant-Bohrkronen für Stahlbeton sind speziell für das Durchtrennen von Bewehrungsstahl ausgelegt. Der Verschleiß ist höher, aber die Bohrung bleibt sauber und präzise.
Ja. Kernbohren ist erschütterungsfrei und erzeugt bei Nassbohrung keinen Staub. Es ist das schonendste Verfahren für bewohnte Gebäude und wird auch in Mietwohnungen regelmäßig eingesetzt.
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